Erneuerung Unterwerksgebäude Engehalde   CH-Bern   2019   Studienauftrag

BESTEHENDE SITUATION
Das bestehende Unterwerk Engehalde befindet sich am Aarehang in unmittelbarer Nähe zum Fluss. Es besteht aus einem mehrteiligen Gebäudekomplex sowie einer vorgelagerten fast 3000m2 grossen Freiluftanlage welche als Plattform leicht über den Uferweg ragt und dadurch als weiteren Gebäudeteil verstanden werden kann. Durch die exponierte Lage, den bestehenden 20m hohen Turm und der ausladenden Plattform prägt die Anlage den Ort in besonderer Weise. Die angrenzende Bebauung wird mehrheitlich durch kleinmasstäbliche Wohnnutzung gebildet.

ALTE KOMPOSITION
Das ursprüngliche Ensemble von 1931 bestand aus drei Gebäudeteilen und der Freiluftanlage. Die Gebäudekomposition setzte sich aus einem stehenden, einem liegenden und einem ruhenden Volumen zusammen. Gemeinsam mit der Plattform und dem Gerüst der Aussenanlage stand die gesamte Formation im Gleichgewicht. Der Turm als stehendes hohes Gebäude war zweiseitig freigespielt und bildete das Markante Gesicht des Unterwerks nach aussen zum Fluss und zur Stadt hin. Diese Wirkung wurde durch grosse transparente Glasflächen zusätzlich verstärkt. Durch die Sanierung der Anlage in den 1970er Jahren wurde das kompositorische Gleichgewicht stark verändert. Dem damaligen Südtrakt wurde ein neues längliches Volumen vorangestellt, so dass die Präsenz des Turms aareseitig beeinträchtigt wurde. Zusätzlich wurde durch einen partiellen Aufbau des neuen Südtraktes an der Turmseite die klare Aussrichtung der Baukörper aufgehoben. Durch die nun anstehende zweite Erneuerung soll bezug- nehmend zur ursprünglichen Komposition mit zeitgemässen Neubauten das Gleichgewicht der Anlage wiederhergestellt werden.

NEUE SETZUNG
Der Turm als klares Identifikationselement des Ensembles bleibt bestehen. West- und Südtrakt werden schrittweise zurückgebaut und durch zwei neue Volumen ersetzt. An ihre Stelle tritt ein neues liegendes Gebäude, welches westseitig an den Turm anschliesst und als schmaler Körper strassenbegleitend in den Hang hineinläuft. Die Transformatoren der Freiluftanlage sollen durch moderne effizientere Anlagenteile abgelöst und nach Innen gelegt werden. In einem neuen Volumen setzen sich die Trafos nördlich vor den Turm. Es ist ein flaches ruhendes Gebäude welches auf der Plattform steht, die Komposition abschliesst und wieder ins Gleichgewicht setzt. Alle drei Gebäudeteile fassen strassenseitig einen kleinen Hof. Dieser bildet die räumliche Adresse und den zentralen Zugang zur Anlage.

ARCHITEKTUR
Die zwei Neubauten übernehmen das flach geneigte Giebeldach des bestehenden Turms . Alle nötigen neuen Öffnungen und Fenster werden Glasbausteinen konstruiert. Die bestehenden Verglasungen des Turms werden mit denselben Glasbausteinen vollständig ersetzt und unterstreichen die neue Einheit. Die Fassaden sind in Sichtbeton gehalten. Mit zusätzlichem Weisszement werden die zwei neuen Gebäude farblich dezent dem hell verputzten Turm angeglichen, bleiben aber als eigenständige Volumen lesbar. Die Tore für die Einbringung der Hochspannungsanlage sowie der Transformatoren sind aus Stahlrahmen mit Glasbausteinfüllung konstruiert. Die nötigen Überdruckklappen sind als Schwingflügelelement integriert. Im Längsgebäude werden die Glasbaufelder mittig zwischen die Geschossdecke gelegt um die massstäblichkeit zu brechen. Links und rechts schliessen tieferliegende Fensterelemente das Glasbausteinband vertikal ab.


Baumanagement: SAJ Architekten AG, Bern
Landschaft: Klötzli Friedli Landschaftsarchitekten AG, Bern
Bauingenieur: WMM Ingenieure AG, Münchenschein
Gebäudetechnik: Gruner Roschi AG, Köniz
Bauphysik: Grolimund+Partner AG, Bern
Brandschutz: Wälchli Architekten Partner AG, Bern
Bauherr: Energie Wasser Bern
Fläche: 1'720m2 GF