Entwicklung Füllerichstrasse - Turbenweg   CH-Muri   2018   Wettbewerb

SITUATION
Die aktuelle Situation um das zu bebauende Areal ist mehrheitlich von flächigen grösseren Volumen besetzt. Die städtebauliche Struktur ist offen mit dazwischenliegenden Grünstreifen. Das auf der gegenüberliegenden Strassenseite des Turbenwegs neu entstandene Zentrum Moos fasst zwar volumetrisch den Strassenraum und formuliert Arkaden, verfügt allerdings Erdgeschossig nur über eine aktive Fassadennische mit den Eingängen zu Migros und Coop, alle übrigen sind verschlossen. Die Nische bildet gleichzeitig den nördlichen Abschluss der Begegnungszone Friedrich-Glauser-Weg. Den südlichen Auftakt an der Füllerichstrasse schafft das Haus der alten Gemeindeverwaltung mit Bibliothek, Bank und Café.
Entlang der nördlich gelegenen Gleisanlage mit Bahnhof fand bereits ein baulicher Umbruch mit strassenbegleitenden und vor allem höheren Baukörpern statt. Diese Entwicklung wird mit dem angestrebten Masterplan fortgesetzt und die Moosstrasse gewinnt mit dem neuen Zentrumsplatz wieder an Wichtigkeit. Die bereits vorhandene Ambivalenz zwischen Friedrich-Glauser-Weg und Moosstrasse wird in Zukunft weiter verstärkt.

LEITIDEE
Ausgehend von der Parallel-Situation der zwei Strassen sieht das vorgeschlagene Konzept in erster Linie die Vermittlung der zwei Strassenräume Moosstrasse und Friedrich-Glauser-Weg vor. Die südliche Ecke wird durch ein 22m hohes querliegendes Gebäude besetzt und das zukünftige Zentrum räumlich abgeschlossen. Gleichzeitig wird das an der Moostrasse stehende gleichhohe Gebäude in die Situation mit eingebunden. Ein zweites paralleles Gebäude bildet zusammen mit dem Turm durch einen Versatz zwei neue Freiräume. Einen kleinen an der Moosstrasse, welcher städtebaulich als Gelenk und einen grösseren an der Füllerichstrasse, welcher als neuer Baustein die Begegnungszone Friedrich-Glauser-Weg bereichert.

UMGEBUNG
Die Setzung der Baukörper lässt Freiräume entstehen, deren Gestaltung sich an unterschiedlichen Graden der Öffentlichkeit orientiert und damit die grosse Bandbreite an Nutzerschichten in den Freiraum überträgt. Die Stellflächen sind auf ein Minimum reduziert, orientieren sich zur Füllerichstrasse hin und lassen den Autoverkehr gänzlich aussen vor. Die Durchlässigkeit für den Fussgängerverkehr hingegen ist maximiert und dient damit auch der Verbindung zum späteren Dorfplatz im Nordosten.
Die bestehende Gestaltung der Begegnungszone Friedrich-Glauser-Weg ist jüngeren Datums und wird mit der bestehenden Entwässerung und Beleuchtung grösstenteils beibehalten. In Ergänzung zum Bestand wird die Einrichtung eines chaussierten Platzes vorgeschlagen, dessen mittig platzierte und minimal gehaltene Bepflanzung und Möblierung das stattfinden von Märkten und Veranstaltungen ermöglicht. Der Glauserplatz bildet den wohltuenden Gegensatz zum stark kommerziell behafteten Platz im Eingangsbereich des Einkaufszentrums. Vis-à-vis des neuen Platzes wäre ein Cafébetrieb eine wünschenswerte Ergänzung. Der nördliche Platzteil wird bewusst freigehalten, um der Post ein entsprechendes Entrée zu gewähren und der Feuerwehr genüge zu tun.
Im Spannungsfeld zwischen den Gebäuden strukturieren Pflanzringe aus Beton den länglichen Raum – die Passage. Ihre Sitzränder laden zum kurzfristigen Aufenthalt für Arbeitspausen ein und ermöglichen das zwanglose urbane Begegnen. Einzelne Leuchtkörper an quergespannten Seilen zeichnen Licht- und Schattenspiele auf den asphaltierten Boden, die teilweise angestrahlten Pflanzen bieten einen ansprechenden und entspannenden Aspekt für die Erdgeschossnutzungen.
Ein überdachter Veloständer begrenzt den Gemeinschaftsplatz zur Tiefgarageneinfahrt hin. Ein grosser Brunnen lädt zum Spielen und Verweilen an der Gemeinschaftstafel ein - die Stühle müssen selber mitgebracht werden. Einzelne Spielangebote beschäftigen die Kleinsten, während die grösseren Kinder ihr Angebot im Spielplatz gegenüber finden. Pflanzringe aus Beton können mit Kräutern und Blumen bepflanzt werden; in Doppelung bespielen sie die längliche Vorzone der Gemeinschaftsräume zur nicht allzu stark befahrenen aber lebendigen Moosstrasse hin.


Bauträger: Stiftung Abendrot Pensionskasse, CH-Basel
Landschaftsarchitektur: Cukrowicz Landschaften GmbH, CH-Winterthur
Bauherr: Gemeinde Muri b. Bern
Fläche: 8'093m2 GF