Gutenberg-Museum   D-Mainz   2015   Wettbewerb

Bilder und Stadtgrundrisse von 1938, vor der Zerstörung im zweiten Weltkrieg, zeigen um den Römischen Kaiser eine Geschlossene Blockbebauung. Die Seilergasse als Verbindung zur Mailandsgasse war durch zahlreiche Adressen mit zugänglichen Erdgeschossnutzungen besetzt. Die Eingänge zum damaligen Gutenberg Museum erfolgte sowohl Platzseitig als von den flankierenden Gassen.
Das bestehende Ensemble aus Römischer Kaiser, Schellbau, Verbindungsgebäude und Rossmannbau stellt sowohl Stadt- als auch Innenräumlich eine heterogene Museums-Landschaft dar. Dadurch dass der Hauptzugang Hofseitig in den Schellbau erfolgt, befindet sich das Museum in zweiter Reihe der Innenstadt, eine Adresse zum Liebfrauenplatz existiert nicht.
Von einer großflächigen Bebauung der jetzigen Rabatte wird zu Gunsten einer klaren Platzsituation verzichtet und die bestehenden Gebäude werden nicht zu welche in zweiter Reihe degradiert. Die Schaffung eines neuen Gutenberg-Quartiers orientiert sich viel mehr an der historisch beschriebenen Situation von 1938. Durch Schließen der Lücke an der Seilergasse erfolgt ein Zusammenschluss zu einem einzigen Museumskomplex. Der Neubau tritt als kräftiges, eigenständiges Volumen auf und markiert damit den neuen Museums Haupteingang. Er schließt direkt an die Westseite des Römischen Kaisers und verlängert sein Dach. Der flucht der Seilergasse folgend wird der Neubau westseitig abgeschlossen. Ein Vorplatz im Westen wird zum attraktiven Anlaufpunkt und neues Gelenk zwischen Markt und Liebfrauenplatz. Mit weiteren Zugängen zu den vorgesehen autonomen Nutzungen findet das Museum seine Einbettung und Verzahnung mit dem bestehende Quartier. Das Café kann von Außen über die attraktive Rotekopfgasse erschlossen werden. Der wichtige Druckladen wird nun von Mailandsgasse aus erreicht und sorgt für die nötige Aufwertung. Ein neuer Museumshof öffnet sich auf die Seite Rotekopfgasse und bleibt über den bestehenden Durchgang des Römischen Kaisers erreichbar.
Die bestehende Museumsanlage wird durch ein neues modelliertes Volumen zu einer Neuen Ganzheit zusammengeführt. Durch Aufnahme von Flucht und Dachneigung des Römischen Kaisers und Schellbau sucht es die Harmonie mit dem Bestand und nicht den Gegensatz zwischen alt und neu. Eine Ausstülpung wie ein vorgesetztes Portal dient als gedeckter Eingang. Nach betreten gibt ein Luftraum Einblicke in die Leselounge, den neuen Wissensspeicher im 1. Obergeschoss. Das dazugehörige Archiv und Inkunabeln liegen im 2. Obergeschoss und im Dach des Neubaus befindet sich die grafische Sammlung.
Über die mäandrierende Eingangshalle werden alle wichtigen Elemente des Komplexes erschlossen sowie ein Zugang zum neu orientierten Museumshof. Kasse und Museumshop sind in logischer Reihenfolge an ihr angeschlossen. Die Westfassade des Römischen Kaisers wird freigespielt, Garderobe und extern über den Durchgang erschlossene Konferenzräume finden in seinem Erdgeschoss ihren Platz.
Über eine breite Treppe wird das neue Untergeschoss mit Wechselausstellung und Vortragssaal erreicht. Das Foyer ist zwischengeschaltet und ermöglicht dadurch Synergien der beiden Räume zu nutzen. Der Wechselausstellungsaal greift nordseitig unter den Schellbau, welcher nun mit neuer, repräsentativer Erschließung zentral erschlossen wird. Die Treppenanlage reicht mit angrenzenden Bereichen bis an die Fassade. Über große Fenster erhält der Besucher von dort den Bezug zur Stadt und seiner Umgebung.
Die Grundstruktur des Schellbaus mit geteilten Geschossdecken (Splittlevel) bleibt erhalten, die benötigten Ausstellungsflächen können aber durch die neue Treppe flexibler aufgeteilt werden.
Direkt an der Fassade, einsichtig von Seiler- bzw. Mailandsgasse im Tiefparterre des Schellbaus liegt die Gutenberg Werkstatt neben dem separat zugänglichen Druckladen.
Im 1. Obergeschoss befindet sich das Kindermuseum mit Verbindung zum Rossmannbau, im welchen jetzt die Räume der Museumspädagogik untergebracht sind. Ein neues Volumen im Hof, zwischen Treppenturm Römischer Kaiser und Schellbau beherbergt die Schatzkammer des Gutenberg-Museums. Ein schmaler langer Raum über zwei Geschosse reichend zeigt andächtig die wertvollen Gutenberg Bibeln. Unterstützt über ein tiefliegendes Fensterband gelangt ganz wenig licht in den sonst geschlossenen Raum.
Um die bestehenden Flächen für die Sammlung zu erweitern, wird ein Dachaufbau auf Höhe First Römischer Kaiser, auf den Schellbau gesetzt. Der Aufbau schließt bündig mit der Seilergasse, Schräg zum Hof und teilweise zurückversetzt zur Mailands- und Rotekopfgasse. Die betriebliche und brandschutztechnische Infrastruktur im Schellbau wird durch eine Anlieferung mit Lastenaufzug über die Rotekopfgasse und zwei Nottreppenhäusern Ost- und Westseitig ergänzt.
Im Erdgeschoss des Rossmannbaus liegt die Restaurier-Werkstatt welchen ihren Zugang über die Seilergasse findet. Platzseitig stehen Flächen zur Fremdvermietung zur Verfügung. In den weiteren Obergeschossen sind die aus der Hofunterkellerung stammenden Depotflächen untergebracht.
Die Fassade als verbindendes monolithisches Element wird aus hell eingefärbten Beton erstellt. Die Farbwahl orientiert sich an den Hintergrund des Römischen Kaisers. Seine glatte Oberfläche wird durch 5cm dicke mit Blei ausgegossen Fugen strukturiert und veredelt. Das Fugenbild zeichnet das bisherige und dahinterliegen Ensemble des Gutenberg-Museums nach und tragen so die Innere Struktur des Komplexes auf seine angrenzenden Plätze und Gassen. Große Öffnungen mit verbleiten Fensterrahmen geben Einblick von Außen und unterstützen die Orientierung der Besucher von Innen.
Analog dem Neubau wird auch die Fassade des Schellbaus aus hell eingefärbten Beton vollständig neu aufgebaut. Rücksprünge bis zur Stützenstruktur gliedern das Große Volumen und geben ihm den Ortsverträglichen Maßstab in der Innenstadt.


Zusammenarbeit mit saj architekten ag, CH-Bern
Landschaftsarchitektur: Maurus Schifferli Landschaftsarchitekten AG, CH-Bern
Bauingenieur: Bollinger Grohmann Ingenieure, D-Frankfurt
Bauherr: Landeshauptstadt Mainz vertreten durch das Amt 69 Gebäudewirtschaft, D-Mainz
Fläche: 7'495m2 NF